Dian Fossey und ihre Gorillas

 

 

Dian Fossey wurde nach Jane Goodall die Zweite im Bunde einer der drei Menchenaffen –

den  Gorilla – zu erforschen. Sie war wie Jane Goodall zuvor nicht an einer Universität als

Wissenschaftlerin ausgebildet worden, aber wurde trotzdem von Louis Leakey für die

Gorillaforschung auserkoren.

 

 

Wie wurde Dian Fossey Gorillaforscherin?

 

Dian Fossey stammt ursprünglich aus San Francisco, Kalifornien. Ihre erste Reise nach Afrika

führte sie 1963 zunächst nach Nairobi in Kenia von wo aus sie in einer Privatsafari die wilden

Tiere Afrikas sehen wollte (dafür nahm sie einen Kredit auf). Ihre erste Reise führte sie unter

anderem durch das Buschland von Tsavo, durch Manyara, Ngorongoro und die Serengeti.

 

Auf dieser Reise machte ihr Fahrer einen Abstecher mit ihr in der Olduvai-Schlucht – also

in jener Ausgrabungsstätte des berühmten Paläoanthropologen Louis Leakey und seiner

Frau Mary Leakey wo auch schon Jane Goodall Knochen ausgegraben hat.

 

Dian Fossey war für die Anthropologen wie alle anderen eine ganz „gewöhnliche“ Touristin und

kam mit Louis Leakey auf ihrer Reise nach Afrika nicht näher in ein Gespräch.

 

Dian hatte vor ihrer Reise vermutlich auch noch nie etwas über die Berggorillas gehört.

 

Doch der Besuch der Serengeti sollte das ändern.

 

Dort lernte sie den Mann kennen, der ihr von den Berggorillas in den Virungabergen – also im

Grenzgebiet der drei Staaten Kongo, Ruanda und Uganda – zum ersten Mal erzählt.

 

Daraufhin entstand bei ihr der Wunsch die Gorillas aufzusuchen. Mit ihrem

unbeugsamen Willen überzeugte sie ihren Fahrer den noch nicht touristisch

erschlossenen Mikeno im Kongo hinaufzusteigen um auf der Kabara-Wiese auf ihre

ersten Gorillas zu treffen.

 

Nach ihrer ersten Afrika-Reise ging sie wieder zurück in ihren altes Leben in Louisville als

Beschäftigungstherapeutin um ihren Kredit abzahlen zu können. Auch wenn sie gerne mit

den Kindern gearbeitet hatte, blieb ihr Wunsch bestehen zurück nach Afrika zu „ihren“

Berggorillas zu gehen.

 

Ein Besuch Louis Leakeys für einen Vortrag an der Universität in Lousiville brachte

Dian Fossey wieder ein Stückchen näher zu den Gorillas in Afrika. Nachdem Dian ihm einen

ihrer Artikel über Gorillas, den sie nach ihrer Reise geschrieben hatte, überreicht hatte,

begann Louis Leakey sich für Dian zu interessieren.

 

Louis Leakey interessiert sich so sehr für Dian, so dass sie sein „Gorilla-Mädchen“ werden

sollte.  

 

 

Dian Fossey’s Anfänge in der Gorillaforschung

 

Anfang 1967 traf Dian endlich wieder auf der Kabara-Wiese ein.

 

Dian Fossey begann ihre ersten Forschungen auf der kongolesischen Kabara-Wiese doch

musste sie diese aufgrund von politischen Unruhen bald wieder verlassen. Daher errichtete

sie wenige Wochen später ihre Forschungsstation Karisoke (benannt nach Mt. KARIsimbi und

Mt. ViSOKE) auf der ruandischen Seite der Virunga-Vulkane.

 

Wie auch schon auf der Kabara-Wiese, flüchteten auch in der neuen Forschungsstation

zunächst die Gorillas vor ihr. Um die Goriallas an sie zu gewöhnen, näherte sie sich den

Tieren auf allen Vieren.

 

Schon in ihren frühen Anfängen bei den Gorillas machte sie Bekanntschaft mit den

Drahtschlingen der Wilderer, in die die Gorillas gerieten und einem langsamen Tod

geweiht waren.

 

 

Dian Fossey und ihre Gorillas

 

Vor Dian Fossey war wenig über diese Berggorillas bekannt. Lediglich eine kurze Studie von

einem George Schaller gaben Dian erste Informationen über das Verhalten der Berggorillas.

 

Vor ihrer Abreise studierte sie alle Aufzeichnungen George Schallers.

 

So erfuhr sie auch, dass Berggorillas in patriarchisch aufgebauten Gruppen leben mit

einem männlichen Silberrücken an der Spitze. Eine Gruppe besteht neben dem Silberrücken

aus mehreren Weibchen mit ihren Jungtieren. Aber auch ausgewachsene Männchen können

sich einer Gorillagrupp anschließen – wenn sie vom Silberrücken geduldet werden.

 

Auch war vor Dians Forschungen bekannt, dass die Hauptaktivität des Tages aus Fressen

bestand.

 

Doch der Silberrücken steht mit all seinen Rechten und Pflichten im Mittelpunkt

des Interesses. Bei Gefahr beschützt der Silberrücken  mit all seinen Kräften seine Gruppe.

Das bedeutet auch für die Zoos, um an ein Junges  aus der Wildnis zu kommen, muss eine

Gruppe oder ein Teil davon ihr Leben lassen.

 

Dian konnte sich trotz ihres starken Einsatzes während ihrer Zeit in Afrika leider nicht

durchsetzen gegen diese Art der Ungerechtigkeit anzukämpfen.

 

Eine der Gruppen, die Dian Fossey ausgiebig studierte, war die Gruppe 4 zu der auch ihr

Lieblingsgorilla Digit zählte. Sie erkannte Digint und die anderen anhand ihrer

„Nasenabdrücke“.

 

Anführer der Gruppe 4 war zunächst der Silberrücken Whinny – vermutlich der Vater

von Digit.

 

Zu der Gruppe zählten neben Digit und Whinny zwei weitere Silberrücken – Amok und

Onkel Bert – sowie mehrere Weibchen zu denen auch die erfahrene Old Goat, die eher

schwerfällige Flossie und die scheue Mrs. X zählten.

 

Zu den ersten Neugeborenen, die Dian Fossey beobachten konnte, gehörten die Jungen

von Old Goat und Flossie – Tiger und Simba – Whinny’s Nachwuchs. Dabei beobachtete

sie unter anderem, dass ein Gorillababy die meiste Zeit zu schlafen scheint und die Saugphasen

in den ersten Monaten nach der Geburt selten länger als 50 Sekunden zu dauern scheinen.

 

Die gesamte Gruppe passt sich den Neugeborenen an. Die Gruppe bewegt sich langsamer fort

und legt längere Ruhepausen ein.

 

Neben den ersten Geburten gehörten auch die ersten natürlichen Todesfälle innerhalb der

Gruppe 4 zu Dian’s ersten Beobachtungen.

 

Dazu gehörte der frühe Tod von Simba mit nur 7 Monaten und auch der Tod von dem alten

Silberrücken Whinny.

 

Nach seinem Tod übernahm zunächst Old Goat die Führung, doch erlangte Onkel Bert in einem

blutigen Kampf gegenüber Amok die Position des führenden Silberrückens der Gruppe 4.

 

Doch nicht nur innerhalb der Gruppe, sondern vor allem mit anderen Gorillagruppen kann

es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kommen. Dabei kann es auch vorkommen,

dass Weibchen die Gruppe wechseln. Zum Beispiel haben die jüngeren Weibchen Macho

und Maisie die Gruppe 4 verlassen, da sie mit einem Wechsel in Gruppe 8 ihren Status

verbessern konnten. In Gruppe 4 haben nämlich die älteren Weibchen Old Goat und

Flossie die weibliche Hierarchie dominiert.

 

 

Der Gorilla Digit

 

Dian traf auf Digit zum ersten Mal im September 1967 als er noch jünger als 5 Jahre alt war.

 

Der Gorilla Digit aus Gruppe 4 hatte eine ganz besondere Stellung bei Dian Fossey

eingenommen. Er gehörte zu ihren Lieblingsgorillas vermutlich weil es keinen anderen

Gorilla in seinem Alter in der Gruppe 4 gab und er sich somit mehr als andere Gorillas

zu den Menschen hingezogen fühlte.

 

Dian schien es als wären die Beobachter der Karisoke-Forschungsstation eine

unterhaltsame Ablenkung für Digit.

 

Der Gorilla Digit wurde so bekannt, so dass das staatliche Fremdenverkehrsamt von

Ruanda sogar um ein Gorillafoto von Dian bat. Das Gorillafoto sollte für ein Werbeplakat

des Parc de Volcans mit der Aufschrift „Kommt und besucht mich in Ruanda!“ verwendet

werden.

 

Innerhalb der Gruppe übernahm Digit die Rolle eines Wächters.

 

Doch die Position wurde ihm zum Verhängnis.

 

Im Dezember 1977 wurde er von Wilderern umgebracht und verstümmelt während er

Wache hielt.

 

Die Ermordung von Digit gehörte zu den schlimmsten Erlebnissen, die Dian Fossey während

ihrer Arbeit in den Virunga-Vulkanen erlebte. Der Tod von Digit traf sie sehr…

 

 

Coco und Pucker

 

Neben Digit sind ihr auch die beiden Gorillawaisen Coco und Pucker sehr ans Herz

gewachsen.

 

Coco wurde Ende 1968 von Wilderern im Auftrag von ruandischen Beamten

gefangen. Dabei kamen zehn erwachsene Gorillas ums Leben. Coco kam unter

kränklichen Zuständen zu Dian. Die ruandischen Beamten baten sie, Coco wieder

aufzupeppeln.

 

Ein paar Tage später brachten einige Männer ein weiteres Gorillajunges zu

Dian in die Forschungsstation. Sie nannte den Gorilla Pucker. Auch bei diesem Einfangen

wurde die gesamte Gruppe getötet.

 

Dian vermutete, dass ruandische Beamte ein weiteres Gorillajunges fangen ließen, weil

Coco nach dem Einfangen krank wurde.

 

Beide Gorillas waren für den Kölner Zoo bestimmt.

 

Trotzdem peppelte sie Coco und Pucker erfolgreich auf. Sie hat die beiden aufgepeppelt,

weil sie es sonst wieder versucht hätten und weitere Gorillas gestorben wären. Schweren

Herzens musste Dian dann die beiden Gorillajungen für den Kölner Zoo abgeben.

 

Im Jahre 1978 starben sowohl Coco als auch Pucker innerhalb eines Monats im Kölner Zoo.

 

 

Was ich an ihr schätze und auf welche Gedanken sie mich gebracht hat

 

Tourismus versus Tier- und Artenschutz

 

Dian Fossey stand dem Tourismus eher kritisch gegenüber.

 

Auch als das ruandische Fremdenverkehrsamt sie um ein Gorillafoto von Digit bat.

Sie hatte gemischte Gefühle sich Fotos von Digit in Hotels, Banken oder Reisebüros

vorstellen zu müssen. Sie wollte keine Menschenmassen bei ihrer geliebten Gruppe 4

oder irgendeiner anderen Gorillagruppe haben.

 

Dian Fossey bezeichnete den Tourismus als „theoretischen“ Naturschutz. Während

beim „aktiven“ Naturschutz die Gorillas vor Wilderern und Fallen geschützt werden, sei

das Hauptziel des „theoretischen“ Naturschutzes den Schutz des Parc des Volcans mit

steigenden Touristenzahlen, also aus wirtschaftlichen Gründen, zu rechtfertigen.

 

So hat sie sich auch gegen das „Mountain Gorilla Project“ eingesetzt.

 

Dian fühlte sich durch den Tourismus vor allem in ihrer Forschungsarbeiten gestört  – vor

allem dann wenn sich die Touristen abscheulich verhielten und auf ihr Recht bestanden

Gorillas zu sehen, da sie zuvor woander dafür bezahlt hatten.

 

Für Dian war es schwierig mit anzusehen wie fremde Leute in ihre Forschungsstation

hereinstürmten. Sie sah die Forschungsstation zu einem Touristenort verkommen.

 

Das „Mountain Gorilla Project“ entstand aus dem Gedanken heraus, die lokale Bevölkerung in

die touristischen Aktivitäten mit einzubringen. Durch neue Arbeitsplätze in der

Tourismusindustrie verdient die lokale Bevölkerung Essen und Geld. Durch den wirtschaftlichen

Faktor soll die Bedeutung des Parks mit den letzten Gorillas für die lokale Bevölkerung

zunehmen.

 

Auch wenn seit Dian Fossey’s Tod die Anzahl an Berggorialls zugenommen hat, laut einer vor

kurzem veröffentlichten Studie hat das Gorilla Trekking zwar einerseits einen positiven Effekt

auf den Artenschutzstatus des Gorillas, doch nicht auf das Tierwohl… Um die

Tiere zu schützen seien daher vor allem stärkere Kontrollen notwendig damit der Tourismus

diese Gorillas nicht bedroht.

 

 

Tiere und Kinder waren ihr wichtig

 

Schon zu Hause widmete sich Dian vor allem den Schwächeren. Sie liebte nicht nur die Arbeit

mit den Kindern, sondern kümmerte sich auch um herrenlose Hunde.

 

Sie war scheinbar nicht gesellig und man vermutete, dass sie Tiere lieber mochte als Menschen. 

 

Auch wenn sie sich im Laufe ihres Lebens viele Feinde gemacht hat – was auch vermutlich

zu ihrem Mord geführt hatte – haben Kinder und Tiere immer eine besondere

Stellung bei ihr eingenommen. Auch später wenige Jahre vor ihrem Tod als sie an ihrem Buch

schrieb, waren ihr Kinder und Tiere wichtig.

 

So widmete sie sich mit besonders großer Aufmerksamkeit den Briefen von

Kindern und arbeitete an ihrem Buch im Winter an der Cornell-Universität in Ithaka

(Bundesstaat New York) am offenen Fenster damit Hunde, Katzen und Vögel vorbeischauen

konnten wann immer sie wollten.

 

 

Dian Fossey’s Einsatz für den Artenschutz

 

Auch wenn Dian Fossey viele Feinde hatte, was wären die Berggorillas in den

Virunga-Bergen heute ohne ihren damaligen Einsatz?

 

Gäbe es sie heute noch?

 

Dian Fossey’s Einsatz für den Artenschutz war wichtig, aber ließen bei mir immer

wieder Fragen aufkommen.

 

Wie wichtig ist der Tourismus für den Artenschutz?

Woher nehmen wir uns im reichen Westen das Recht den Menschen in Afrika oder

anderswo zu sagen was sie zu schützen haben und was nicht?

 

Haben wir doch schon selber hier in Europa viele Tiere und Pflanzen ausgerottet!

 

 

Quelle:

„Gorillas im Nebel. Mein Leben mit den sanften Riesen“ von Dian Fossey

„Dian Fossey“ von Harold Hayes

 

Primatenforscherinnen im Einsatz für den Artenschutz – Dian Fossey und ihre Gorillas (2/3)

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