Biruté Galdikas und ihre Orang-Utans

 

 

Neben Jane Goodall und Dian Fossey wurde Biruté Galdikas die dritte von Louis Leakey’s

auserwählten Primatenforscherinnen. Mit Biruté Galdikas erhoffte sich der Anthropologe Louis

Leakey wie auch mit Jane Goodall und Dian Fossey mehr über die Evolution des Menschen zu

erfahren. Er war der Ansicht, dass durch die Beobachtung von Menschenaffen weitere

Erkenntnisse gewonnen werden können wie die früheren Menschen einst gelebt haben.

 

 

Wie wurde Biruté Galdikas Orang-Utan-Forscherin?

 

Biruté Galdikas erste Begegnung mit Louis Leakey fand nach einer Vorlesung von Louis Leakey

an der Universität UCLA in Los Angeles statt. Nach der Vorlesung teilte sie dem berühmten

Paläoanthropologen mit, dass sie Orang-Utans in Borneo erforschen möchte und zählte ihm

ihre ersten Schritte auf die sie getan hat um ihr Vorhaben zu realisieren. Zwar hatte sie bei

ihrem ersten Treffen mit dem viel umworbenen Louis Leakey nicht die Möglichkeit ihre

Absichten ausführlich darzulegen, doch hat Biruté Galdikas bei Louis Leakey einen so

starken Eindruck hinterlassen, so dass er sie noch am gleichen Tag für eine Verabredung

am nächsten Tag anrufen lies.

 

Bei dieser Begegnung stand schon fest, Biruté Galdikas wird nach Jane Goodall und

Dian Fossey Orang-Utans auf Borneo erforschen.

 

Doch bevor ihre Reise nach Borneo losgehen konnte brauchte sie noch eine Genehmigung

von der indonesischen Regierung für die Orang-Utan-Studie und die Finanzierung ihres

Projektes.

 

Bis ihre Reise nach Borneo losgehen sollte vergingen daher nochmals 3 Jahre. Mit 22 traf sie

Louis Leakey und mit 25 ging es schließlich zusammen mit ihrem Ehemann Rod los nach

Borneo.

 

Ihr starker Wille und ihr Wunsch wilde Tiere zu erforschen halfen ihr die Wartezeit zu

überstehen. Schon als Kind in der zweiten Klasse wollte sie Forschungsreisende werden. Wenn

sie das nicht werden sollte, dann Balletttänzerin. Auf den ersten Blicken scheinen diese beiden

Berufsfelder gar nicht miteinander zu tun zu haben. Doch der erste Blick täuscht. Als Kind

hatte Biruté Galdikas nämlich mehrere Jahre Ballettunterricht. In ihren Büchern schreibt

sie, dass das harte körperliche und geistige Training ihr vermutlich in Indonesien sehr

geholfen habe. So konnte sie alle dort vorhandenen Unannehmlichkeiten überstehen.

 

Hitze. Schlamm. Feuchtigkeit. Sturzbäche von Regen. Feuerameisen. Blutegel. Kobras. Pythons.

Oder Sumpffieber.

 

 

Biruté Galdikas Anfänge in der Orang-Utan-Forschung

 

Im November 1971 stand Biruté Galdikas endlich auf bornesischem Boden – genauer gesagt

in Tanjung Puting. Dort richtete sie sich zusammen mit ihrem Mann und einigen

indonesischen Helfern in einer primitiven Hütte („Camp Leakey“) ein. Schon am Anfang ihrer

Studie passte sie sich schnell dem einfachen Leben in der Natur an inklusive aller

Unannehmlichkeiten. Sie kamen in der Regenzeit an, so dass sie in der ersten Woche ihre Hütte

kaum verlassen konnten. Außerdem kamen mit dem Regen auch noch die Blutegel. Auf Borneo

gibt es so viele Blutegel, so dass man am Abend nicht mehr weiß wie viele man von den Parasiten

von seinem Körper entfernt hat. Blutegel beißen sich mit rasiermesserscharfen Zähnen in die

Haut ihres Wirtes ein und – wie der Name schon sagt – saugen Blut. Selbst nach einem Biss

kann die Wunde noch bis zu einer Stunde lang weiterbluten. Manchmal kann es Monate dauern

bis sich eine Wunde schließt.

 

Doch Biruté Galdikas lies sie von irgendwelchen Blutegeln nicht abhalten. Sie war fest

entschlossen das Verhalten der Orang-Utans zu erforschen.

 

Blutende Stellen an ihrem Körper, Moskitostiche, Fieberanfälle, nährstoffarme Ernährung,

durchnässte Kleidung und die harte körperlich Feldarbeit hielten sie nicht von ihrem Traum

ab, mehr über die Menschenaffen zu erfahren auch wenn es immer wieder Momente gab wo

sie mit ihrer Energie so erschöpft war und eine Pause einlegen musste.

 

Doch sie konzentrierte sich auf das große Ganze. Auch wenn sie es mal an einem Tag körperlich

nicht schaffte, sie gab nicht auf und hielt ihr Ziel die Orang-Utans zu erforschen stets weiter im

Auge.

 

Wie Jane Goodall und Dian Fossey auch, musste Biruté Galdikas die Orang-Utans an sie

gewöhnen. Doch während Schimpansen und Gorillas in Gruppen leben, sind Orang-Utans

Einzelgänger die zwischen verschiedenen Gebieten umher wanderen. Eigentlich war Biruté

Galdikas an vollständigen Lebensgeschichten einzelner Orang-Utans – so wie bei den

Schimpansen und Gorillas – interessiert. Doch dafür müssten die Orang-Utans an Ort und

Stelle bleiben, damit sie auch identifiziert werden können.

 

So kam es, dass Jane Goodall in einem späteren Gespräch zu Biruté Galdikas einmal sagte,

dass es sie (Biruté Galdikas) zwei Jahre kosten würde so viel Gruppenaktivität zu

beobachten wofür sie (Jane Goodall) nur zwei Stunden bei den Schimpansen braucht.

 

 

Biruté Galdikas und ihre Orang-Utans

 

Beth und Bert

 

Zu den ersten Orang-Utans, die Biruté Galdikas beobachtete, zählte das Orang-Utan-Weibchen

Beth mit ihrem Jungen Bert. Auch wenn der Orang-Utan die Anwesenheit von der Forscherin

anfangs nicht zu gefallen schien, erhielt Biruté Galdikas dennoch erste Einblicke aus dem Leben

der Orang-Utans. So beobachtete sie Beth wie sie ein Tagesnest und später auch ein Schlafnest

baute, Früchte und Rinde fraß, aber auch wie Bert den ganzen Tag über ohne Unterbrechung

festumschlungen an seiner Mutter hing.

 

Sie konnte bei ihrem ersten Treffen mit Beth an fünf Tagen jeweils bis zu zwölf Stunden das

Leben des Orang-Utans beobachten.

 

Das war ein großer Erfolg für die junge Forscherin.

 

Biruté Galdikas war trotz aller körperlichen Mühen überglücklich nach so langer Wartezeit

endlich Orang-Utans beobachten zu können.

 

 

Cara und Carl

 

Auch wenn die erste Beobachtung von Beth mit ihrem Bert ein Erfolgserlebnis für Biruté

Galdikas war, konnte sie danach erst mal eine Weile keine weiteren Orang-Utans für mehrere

Stunden und auch an mehreren Tagen beobachten. Doch das sollte sich mit der Ankunft von

Cara und ihrem halbwüchsigen Sohn Carl wieder ändern.

 

Wie auch Beth, war Cara zunächst nicht sehr erfreut von der Forscherin beobachtet zu werden.

Doch setzte Cara mit dem fort mit dem sie in dem Moment gerade beschäftigt war. Nämlich mit

dem Fressen von Banitan-Nüssen. Biruté Galdikas fand im Laufe ihrer Forschungen

heraus, dass die Nüsse des Banitan-Baumes zu den Lieblingsspeisen der Orang-Utans in

Tanjung Puting gehörten.

 

Mit Cara und Carl konnte die Forscherin erste Beobachtungen über Mutter-Kind-Interaktionen

hinaus machen – nämlich als das Männchen Howard hinzukam. Biruté Galdikas hat Monate

gebraucht um solche Interaktionen zwischen Orang-Utans beobachten zu können. Howard

war noch kein ausgewachsenes Männchen und verwickelte sich in spielerische Kämpfe mit

Carl. Er baute am ersten Beobachtungstag ein Schlafnest in der Nähe von Cara und Carl.

Doch so unauffällig er gekommen war, verschwand er am darauffolgenden Tag wieder.

 

Bei ihren ersten Beobachtungen fielen ihr schon die unterschiedlichen Charaktere der

Orang-Utans auf. Während Beth ein eher zurückgezogenes und scheues Weibchen war,

konnte Biruté Galdikas den Orang-Utan Cara selten alleine sehen. Ein weiterers

Unterscheidungsmerkmal zwischen den Orang-Utans war, während Cara sich immer

wieder von der Forscherin zu entledigen versucht, hat sich Beth stets zurückgezogen

wenn sie sich gestört fühlte.

 

 

Warum sind Orang-Utans Einzelgänger?

 

Die Forscherin Biruté Galdikas ging mit der Absicht in den Dschungel Borneos um mehr

über die Orang-Utans zu erfahren. Vor ihrer Zeit war wenig über die Orang-Utans bekannt.

Mit ihrer Arbeit konnte sie bestätigen, dass Orang-Utans überwiegend Einzelgänger sind,

aber sich fand auch heraus, dass die Orang-Utans zu geselligem Verhalten fähig sind.

Biruté Galdikas hält das Einzelgängertum der Orang-Utans als eine Anpassung an ihre

Lebensbedingungen. Da Orang-Utans große Säugetiere sind müssen sie sehr viel Nahrung

zu sich nehmen. Da die Nahrungsquellen an einem Ort aber nicht so groß sind, können sie

es sich nicht leisten zusammen an einem Ort auf Nahrung zu suchen.

 

Biruté Galdikas schreibt in ihrem Buch, dass Orang-Utans nicht aufgrund ihres Wesens

Einzelgänger sind sondern sich den Umständen im Dschungel angepasst haben.

 

Vielleicht aufgrund ihres Einzelgängertums, gibt es Unterschiede zu den Gorillas und

Schimpansen was das soziale Leben angeht. Während Gorillas und Schimpansen

beispielsweise viel Zeit in die gegenseitige Fellpflege investieren, kommt es bei den

Orang-Utans sehr selten vor.

 

 

Was ich an ihr schätze und auf welche Gedanken sie mich gebracht hat

 

Unerforschtes Leben

 

Herausfordernd bei der Arbeit mit Orang-Utans ist nicht nur die Tatsache, dass

Orang-Utans überwiegend Einzelgänger sind, sondern auch ihre Lebensweise in den

Bäumen. Der Forscherin Biruté Galdikas erlebte während ihrer Arbeit, dass der größte

Teil des Lebens 30m über dem Erdboden stattfindet und verglich diesen Lebensraum

mit dem ebenso überwiegend unerkundetem Ozean.

 

Echtes Interesse an den Tieren

 

Im Gegensatz zu anderen Orang-Utan-Forscher hatte Biruté Galdikas das Interesse, die

Orang-Utans zu erforschen um sie zu verstehen. Sie ging nicht nach Borneo um Daten zu

sammeln für eine wissenschaftliche Arbeit um sich daraufhin auf einen Lehrstuhl bewerben

zu können. An erster Stelle hatte sie ein echtes Interesse an den Orang-Utans. Ihr ging es nicht

um eine akademische Karriere.

 

Wie auch schon bei Jane Goodall und Dian Fossey.

 

Wohl auch daher bin ich von den drei Primatenforscherinnen so beeindruckt. Vielleicht mag

manch Wissenschaftler diese Sichtweise als typisch Frau abstempeln. Aber dann ist das halt so.

 

Schon als Louis Leakey seine Sekretärin zur Schimpansenforscherin ernannte, spotteten

viele Wissenschaftler über seine Entscheidung. Wie konnte er nur attraktive und fotogene

Frauen nach Afrika oder Indonesien schicken? Alle drei Primatenforscherinnen musste

sich ihren Respekt hart erkämpfen. Wenige glaubten an sie – außer Louis Leakey. Nun haben

sie die Sympathien und auch den Respekt (!) vieler Menschen gewonnen.

 

Alle drei Primatenforscherinnen handelten sich den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit

ein, da sie sich auf das Leben und der Rettung der Tiere eingelassen haben. Es ging ihnen

nicht nur darum aus wissenschaftlicher Distanz die Tiere zu erforschen, sondern sie wollten

ihren Beitrag für den Artenschutz leisten.

 

An ein Traum glauben und daran arbeiten

 

Da Biruté Galdikas nicht wusste wie sie ihren Traum verwirklichen konnte, Orang-Utans

zu erforschen, wäre für sie auch in Betracht gekommen nach einer Promotion auf eigene

Faust die Tiere zu beobachten, da sie keinen Professor an irgendeiner Uni für ihr Vorhaben

gewinnen konnte. Viele Professoren zweifelten an ihrem Projekt, da es schwierig bis

unmöglich sei überhaupt einen Orang-Utan (Studienobjekt in der Sprache der Wissenschaft)

zu Gesicht zu bekommen.

 

Doch diese Zweifel waren unbegründet wie sich jetzt später herausgestellt hat.

 

Aber mit Louis Leakey hatte sie den besten Unterstützer, den man sich vorstellen kann

schon am Anfang ihrer Studie. In einem Gespräch erklärte er ihr einmal, dass

er immer an sie glauben wird auch dann wenn einmal alle gegen sie seien. 

 

 

Biruté Galdikas Einsatz für den Artenschutz

 

Biruté Galdikas hat sich bei ihrer Arbeit im Dschungel Borneos nicht nur auf die

freilebenden Orang-Utans fokussiert, sondern hat sich auch der Auswilderung von in

Gefangenschaft gehaltenen Orang-Utans gewidmet. Der Anfang bei der Auswilderung

gefangender Orang-Utans machte Sugito.

 

Sugito war noch ein Orang-Utan-Baby als er von Biruté Galdikas aufgenommen wurde

und vermutlich daher klammerte er sich an jeden, der ihn gerade hielt. In freier Wildbahn

trägt niemand außer der Mutter das Baby. So kam es, dass außer Biruté Galdikas niemand

anderes Sugito mehr auf den Armen halten konnte.

 

Doch Biruté Galdikas größter Wunsch war es, den kleinen Sugito wie auch all die anderen

Orang-Utans wie Sobiarso, Cempaka oder Akmad die auch in die Auswilderungsstation noch

kommen sollten, wieder in der freien Wildbahn auszusetzen.

 

 

Quelle:

„Meine Orang-Utans“ von Biruté M.F. Galdikas

„Orang Utans“ von Konrad Wothe und Carsten Clemens

 

Primatenforscherinnen im Einsatz für den Artenschutz – Biruté Galdikas und ihre Orang-Utans (3/3)

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